Jesus Christus spricht: „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, damit sie mehr Frucht bringt. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch!
Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt. Man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und meine Jünger werdet.“ (Johannes 15,1–8)
Soweit Gottes Wort. Das Bild, das Jesus gebraucht, ist leicht zu verstehen: Der Weingärtner ist Gott, der Weinstock ist Jesus Christus, und wir sind die Reben. Jesus sagt ausdrücklich: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ (Vers 5). Eine Rebe, die Frucht bringen soll, wird gereinigt oder beschnitten, damit sie noch mehr Frucht bringt (Vers 2). Unsere Frucht ist unter anderem die Liebe zu Gott und zu unserem Nächsten. Wie diese Liebe aussieht, beschreibt uns die Bibel in 1. Korinther 13,2–6:
„Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit.“
Wir, die Reben, werden gereinigt, damit wir stärker werden und mehr Frucht bringen können. Denn wir sind Gefahren, Rückschlägen, eingefahrenen Routinen, Sorgen, Krankheit, Langeweile und vielem mehr ausgesetzt. Unser Glaube an Jesus gibt uns immer wieder neue Kraft. Und alles, was uns von Gott trennt, ist durch ihn abgewaschen worden.
Bleibt in mir!
„Bleibt in mir und ich in euch!“ Diese Worte sind eine Einladung Jesu, mit ihm verbunden zu bleiben. Denn wie die Rebe aus sich selbst keine Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so können auch wir keine Frucht bringen, wenn wir nicht mit Jesus verbunden bleiben. Nicht nur in unserem Garten, sondern auch in unserem eigenen Leben möchten wir sehen, dass gute Früchte wachsen. Doch wie ist es möglich, dass in unserem Leben gute Frucht entsteht?
Jesus spricht in Gleichnissen und gebraucht Bilder wie den Weinstock, damit wir geistliche Wahrheiten besser verstehen. Für uns ist es logisch, dass Frucht nur entstehen kann, wenn eine Rebe mit dem Weinstock verbunden ist und der Lebenssaft in sie hineinfließt. Sobald kein Saft mehr fließt, kann auch keine Frucht mehr wachsen. Deshalb betont Jesus die Verbindung mit ihm. Wir sollen mit ihm verbunden bleiben. Dieses Bild macht eindrücklich deutlich: Frucht wächst aus der Verbindung mit Jesus Christus.
Seine Kraft strömt in uns hinein und bringt Frucht hervor. Es kommt nicht in erster Linie auf unsere eigene Anstrengung an, sondern darauf, dass wir von ihm empfangen und mit ihm verbunden bleiben. So können seine Liebe, seine Kraft, seine Wahrheit und seine Sicht auf die Situationen, in denen wir stehen, in uns hineinfließen und Frucht hervorbringen. Vielleicht sagen wir uns jetzt: Ja, ich möchte von dieser Liebe und Kraft durchströmt werden. Aber wie soll das geschehen? Was kann ich selbst dazu beitragen? Jesus erklärt an verschiedenen Stellen, was er für uns getan hat, damit unsere Verbindung zu ihm und zu Gott so gelingt, dass Frucht entstehen kann.
Jesus hat uns den Vater offenbart
Jesus sagt: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles verkündet habe, was ich von meinem Vater gehört habe.“ (Johannes 15,15) Liebe bedeutet auch, dem anderen alles Wichtige mitzuteilen. Genau das hat Jesus getan. In Johannes 17,25–26 betet Jesus: „Gerechter Vater, die Welt erkennt dich nicht; ich aber erkenne dich und diese erkennen, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen verkündet und werde ihn verkünden, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.“
Jesus hat uns alles Wichtige über den Vater mitgeteilt. Wir Menschen zerbrechen uns oft den Kopf, lesen Tausende von Büchern darüber, was im Leben wirklich zählt, und füllen ganze Bände mit menschlichen Weisheiten darüber, wie diese Welt verbessert werden könnte. Doch Jesus hat uns das Wichtigste offenbart: den Vater! Wie lernen wir den Vater kennen? Welches Lehrbuch hat Jesus uns gegeben? Jesus hat uns durch sein Leben und seine Worte gezeigt, wie der Vater ist. Wenn wir das Leben und die Worte Jesu studieren, lernen wir den Vater kennen. Indem wir auf Jesus schauen und seine Worte, Weisungen und Hinweise ernst nehmen, öffnet sich der Himmel für uns.
Es ist, als würde der Hahn für den Lebenssaft vom Himmel aufgedreht. Wir haben das Privileg, von diesem Lebenssaft genährt und durchströmt zu werden. Und dabei handelt es sich nicht nur um ein kleines Rinnsal! Es ist dieselbe Kraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat. Diese Kraft will Gott in uns wirken lassen! Paulus betet im Epheserbrief darum, dass uns die Augen dafür geöffnet werden.
Gottes Wort muss in unserem Leben Frucht bringen
Wie genau aus dem Lebenssaft des Weinstocks Frucht entsteht, wissen wir nicht bis ins Letzte. Irgendwie geschieht eine Umwandlung. Entscheidend ist, dass der Lebenssaft aufgenommen und verwertet wird, damit er seine Wirkung entfalten kann. So ist es auch in unserem Leben. Manchmal hören wir interessante Dinge. Manchmal erleben wir einen Aha-Moment, und plötzlich geht uns ein Licht auf. Der Lebenssaft Gottes fließt, und wir erkennen etwas Neues. Doch das Erkannte muss auch in unserem Leben umgesetzt werden. Wir müssen tun, was Jesus sagt. Manchmal wissen wir vielleicht nicht genau, wie wir das Gehörte und Erkannte praktisch umsetzen können. Doch dafür hat Gott uns den Heiligen Geist und Glaubensgeschwister geschenkt. Mit der Hilfe des Heiligen Geistes und indem wir aufeinander hören, kann Frucht aus dem entstehen, was wir von Gott empfangen haben.
Dieser Lebenssaft ist wie Energie, die in uns fließt. Und es ist ein wunderbares Erlebnis, wenn wir voller Energie sind. Die Bibel spricht an mehreren Stellen von dieser Kraft und gibt uns Hinweise, wie dieser Energiefluss von Gott zu uns gefördert werden kann. Wir alle haben sicher schon erlebt, dass wir gearbeitet haben und dabei nicht nur Energie verbraucht haben, sondern sogar neue Kraft gewonnen haben und regelrecht beflügelt wurden. Genau davon spricht Paulus: Wenn wir unserer Berufung gemäß leben und das tun, was unseren Gaben entspricht, kann uns unsere Arbeit Freude machen. So hat Gott uns geschaffen! Er hat uns Gaben gegeben. Wenn wir entsprechend unseren Gaben leben und sie einsetzen, entsteht Frucht. Deshalb ist es wichtig, unsere Gaben zu kennen und das zu tun, was ihnen entspricht. Dann erleben wir Freude und Erfüllung. Beides ermutigt uns, weil wir sehen, dass unsere Arbeit Frucht bringt.
Auch in Zeiten des Wartens mit Jesus verbunden bleiben
Es gibt auch Ruhephasen. Im Winter fließt der Saft nicht in gleicher Weise in die Reben. Manchmal haben wir den Eindruck, dass es in bestimmten Situationen keine Hoffnung mehr gibt. Gerade dann wird unsere Geduld herausgefordert! Bleiben wir auch dann am Weinstock? Können wir ausharren, bis der Saft wieder fließt? Die Bibel ist voller Geschichten von Glaubenszeugen, die uns ermutigen, nicht zu schnell aufzugeben. Unsere Vorbilder im Glauben haben nicht aufgegeben – gerade auch in scheinbar hoffnungslosen Situationen. Durch ihre Treue ist viel Frucht entstanden. Manchmal braucht es Zeit, bis Frucht sichtbar wird!
Es gibt aber auch Hindernisse, die verhindern, dass der Lebenssaft ungehindert fließt. Jesus und die Apostel sprechen sehr direkt darüber, welche Hindernisse das sein können: unser eigenes Fehlverhalten. Wenn wir nicht nach Gottes Weisungen leben, kann unsere Gemeinschaft mit Gott beeinträchtigt werden und unser geistliches Wachstum behindert werden. Deshalb macht Jakobus deutlich, dass wir ehrlich mit unseren Verfehlungen umgehen und einander bekennen sollen, was schiefgelaufen ist, damit Heilung und Wiederherstellung möglich werden. Es ist angenehmer, Früchte zu ernten, als Fehler aufzudecken und zu bekennen. Es ist schöner, die Früchte abzuschneiden und zu genießen, als mit dem Messer an unsere schlechten Gewohnheiten zu gehen und daran zu arbeiten, dass in unserem Leben gute Frucht wachsen kann.
Manche sehen es lieber, wenn spektakuläre Zweige mit vielen Blättern wachsen, die beeindruckend aussehen. Doch es kann wehtun, wenn gerade diese schönen, imposanten Zweige beschnitten werden müssen, damit sie mehr Frucht bringen. Sind wir dazu bereit? Überlegen wir einmal: Wofür setzen wir unsere Zeit ein? Fließt sie in das hinein, was in unserem Leben Frucht bringt? Die Verbindung mit der Quelle hat Priorität!
Widerstände können zu mehr Frucht führen
Einen letzten Grund dafür, wie mehr Frucht entstehen kann, möchte ich erwähnen: Manchmal sind es gerade Widerstände und Angriffe, die zu mehr Frucht führen. Das sehen wir bei Paulus. Er erlebte große Widerstände von Menschen. Doch gerade unter schwierigen Umständen wurden viele Menschen offen für den Glauben und schlossen sich den Jüngern an. Schwierige Umstände zu erleben, bedeutet also nicht, dass keine Frucht wachsen kann. Oft liegt gerade darin eine Chance, dass umso mehr Frucht entsteht. Entscheidend ist, dass wir nicht aufgeben und resignieren, sondern offen bleiben für das, was Gott ausgerechnet in dieser Situation mit uns vorhat!
Bleib mit Jesus verbunden!
Wir alle wünschen uns mehr Frucht in unserem Leben. Jesus zeigt uns, wie das möglich ist: Wir bleiben mit ihm verbunden, sodass er in uns bleibt und wir in ihm. Das bedeutet, dass wir uns für den Lebenssaft öffnen dürfen, für die Kraft, die von ihm kommt. Wir müssen die Frucht nicht aus eigener Kraft hervorbringen. Wir dürfen von Jesus empfangen, auf seine Worte hören, sie in unserem Leben umsetzen und ihm auch in schwierigen Zeiten vertrauen.
Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht!“ (Johannes 15,5)
Und weiter: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu eingesetzt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Wenn ihr dann den Vater in meinem Namen bittet, wird er’s euch geben.“ (Johannes 15,16)
Bleiben wir mit Jesus verbunden. Denn aus dieser Verbindung wächst Frucht, die Gott ehrt und Bestand hat.
Helmut Germann
11.10.2026