Als Christen betonen wir oft – und das zu Recht –, dass wir Jesus lieben und dass Jesus uns liebt. Wir sagen: Jesus lebt in uns durch den Heiligen Geist.
Und doch stellt sich die Frage: Warum sehen und erleben wir davon in unserem Leben so wenig?
Sätze wie: „Jesus liebt mich. Jesus hilft mir. Jesus ist mir nahe. Ich liebe Jesus.“ können, wenn sie nur wiederholt werden, den Eindruck von Nähe zu Jesus vermitteln – auch dann, wenn echter Glaube fehlt. Solche selbst erzeugten Empfindungen halten meist nur so lange an, wie man sich bewusst darauf konzentriert.
Der Mensch ist durchaus fähig, sich Dinge so intensiv einzureden, dass die Grenze zwischen Wirklichkeit und Vorstellung verschwimmt. Unabhängig von Bildung oder Intelligenz können Menschen Überzeugungen entwickeln und danach leben, die mit der Realität wenig zu tun haben. Vieles kann man sich einbilden – und dabei überzeugt sein, dass es wahr ist. Der christliche Glaube jedoch, richtig verstanden, ist keine Einbildung.
Als der Apostel Paulus in Athen von der Auferstehung der Toten sprach, reagierten viele Zuhörer ablehnend. Einige lachten ihn aus, andere vertrösteten ihn: „Über dieses Thema wollen wir zu einem späteren Zeitpunkt mehr von dir hören.“ (Apostelgeschichte 17,32)
Doch wenn sich ein Mensch der Botschaft des Evangeliums wirklich öffnet und Jesus sein Leben anvertraut, dann geschieht etwas Entscheidendes:
Der Heilige Geist gibt dem menschlichen Geist Zeugnis, dass er nun ein Kind Gottes ist. Christ wird man nicht, weil man in eine christlich geprägte Umgebung hineingeboren wird oder weil die Eltern Christen sind. Christ wird man dann, wenn der Heilige Geist in einem Menschen zu leben beginnt. Darum schreibt Paulus an die Gemeinde in Rom: „Wenn jemand diesen Geist, den Geist Christi, nicht hat, gehört er nicht zu Christus.“ (Römer 8,9)
Wer nicht zu Christus gehört, kann auch nicht Christ sein – so klar formuliert es die Bibel.
Christsein ohne den Heiligen Geist?
Wer versucht, ein christliches Leben ohne den Heiligen Geist zu führen, wird früher oder später überfordert sein. Ohne diese Kraft von oben ist ein Leben in der Nachfolge kaum möglich. Der Heilige Geist wirkt nicht nur im Einzelnen, sondern führt in die Gemeinschaft. Paulus segnet die Christen in Korinth mit den bekannten Worten: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2. Korinther 13,13)
Der Gedanke „Gott lebt in mir“ klingt zunächst fremd und beinahe anmaßend. Der Schöpfer des Himmels und der Erde soll in mir wohnen? Mancher Christ würde sagen: „Das mag auf andere zutreffen – auf geistlichere Menschen als mich.“ Doch die Bibel sagt etwas anderes. Wenn du Christ bist, dann lebt Gott durch den Heiligen Geist in dir – auch dann, wenn dein geistliches Leben gerade nicht auf einem Höhepunkt steht. Die Kraft von oben wohnt in dir. Paulus musste die Christen in Korinth genau daran erinnern, obwohl ihre Gemeinde von Streit geprägt war: „Habt ihr vergessen, dass euer Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist? Der Geist, den Gott euch gegeben hat, wohnt in euch.“ (1. Korinther 6,19)
Paulus zweifelte nicht an ihrer Zugehörigkeit zu Christus – er erinnerte sie an das, was Gott bereits getan hatte. Gott ist immer bei dir Gott wohnt in uns. Das bedeutet: Du kannst Gott als Christ nicht davonlaufen.
Er ist bei dir – genau dort, wo du jetzt bist. Du begegnest Gott nicht erst dann, wenn du betest, die Bibel liest oder einen Gottesdienst besuchst. Gott lebt zu jedem Zeitpunkt in dir. Ob bei der Arbeit, in der Schule oder im Alltag – Gott ist mit dir unterwegs.
Jesus selbst sagte:
„Wenn jemand mich liebt, wird er sich nach meinem Wort richten. Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.“
(Johannes 14,23) Seit Pfingsten gilt das: Jeder Mensch, der Jesus sein Leben anvertraut, empfängt den Heiligen Geist. Durch die Sünde ist die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch zerbrochen. Doch Gott selbst kommt dem Menschen entgegen. Er sandte seinen Sohn – und wer Jesus nachfolgt, bekommt den Heiligen Geist. „Weil ihr nun seine Söhne und Töchter seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt.“ (Galater 4,6)
Der Heilige Geist ist dabei wie eine Anzahlung auf das, was Gott uns für die Ewigkeit versprochen hat: „Der Heilige Geist ist die Anzahlung auf unser himmlisches Erbe.“ (Epheser 1,14) Es entsteht eine neue, lebendige Beziehung zum Schöpfer. Nicht nur eine äußere Führung, sondern eine tiefe innere Verbundenheit. „Der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch zu Söhnen und Töchtern, sodass wir rufen: Abba, Vater!“ (Römer 8,15)
Durch den Heiligen Geist bekommen wir Einblick in das, was Gott für uns bereithält: „Uns hat Gott dieses Geheimnis durch seinen Geist enthüllt.“
(1. Korinther 2,10) Nur der Geist Gottes kennt die Gedanken Gottes – und genau diesen Geist haben wir empfangen. Darum können wir verstehen, was Gott uns in seiner Gnade geschenkt hat. Wer den Heiligen Geist nicht hat, versteht Gottes Gedanken nicht. Für ihn ist die Botschaft des Kreuzes Unsinn. Doch für die, die gerettet werden, ist sie Gottes Kraft (vgl. 1. Kor 1,18).
Gemeinschaft in der Gemeinde
Was für den Einzelnen gilt, gilt auch für die Gemeinde. Wo Christen zusammenkommen, ist Gemeinde, denn der Heilige Geist wohnt in ihrer Mitte. „Wir sind alle durch denselben Geist zu einem Leib geworden.“ (1. Korinther 12,13) Darum ist christliche Gemeinschaft etwas Besonderes – oder sollte es zumindest sein. Paulus ermahnt und ermutigt: „Setzt alles daran, die Einheit zu bewahren, die Gottes Geist euch geschenkt hat.“ (Epheser 4,3)
Leider erleben wir auch Konflikte in Gemeinden. Das liegt daran, dass Christen trotz des Geistes eigene Entscheidungen treffen. Der Heilige Geist zwingt niemanden – sonst gäbe es keine Freiheit in Christus. Wo Christen dem Heiligen Geist Raum geben, wachsen Früchte: „Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“ (Galater 5,22) Diese Frucht will Gott in uns reifen lassen – zum Segen für uns selbst und für andere.
Schlussgedanke
Gott lebt in dir – und Gott lebt in der Gemeinde. Das ist keine fromme Idee, sondern biblische Wahrheit. Jesus versprach seinen Jüngern: „Ich lasse euch nicht als Waisen zurück; ich komme zu euch.“ (Johannes 14,18) Durch den Heiligen Geist ist Gott jede Stunde, jede Minute und jede Sekunde bei dir. Jeder Mensch kann den Heiligen Geist empfangen – ohne Ausnahme.
Der Apostel Petrus sagte an Pfingsten:
„Kehrt um, lasst euch taufen auf den Namen Jesu Christi. Dann wird Gott euch eure Sünden vergeben, und ihr werdet den Heiligen Geist empfangen.“
(Apostelgeschichte 2,38) Diesen Schritt kannst du heute tun. Und wenn du ihn gehst, wird Gott selbst in dir wohnen.