Wie konnte Gott Mensch werden

Dass Gott als Baby in die Menschheitsgeschichte eingetreten ist, ist für viele Menschen nur schwer vorstellbar. Interessanterweise liegt für viele die eigentliche Schwierigkeit mit dem christlichen Glauben gar nicht so sehr in der Auferstehung oder in anderen Wundern. Die tiefste Skepsis richtet sich vielmehr auf die Berichte von Weihnachten: Der allmächtige Schöpfer wird ein hilfloses Kind in Windeln?

Die Menschwerdung Gottes ist tatsächlich eines der größten Geheimnisse, mit denen uns die Bibel konfrontiert. Doch sobald wir an diesen Punkt kommen und diese Wahrheit als Tatsache annehmen können, lösen sich plötzlich viele andere Zweifel auf.

Gott wurde Mensch – was sagt die Bibel?

Die biblische Aussage über die Menschwerdung Gottes ist klar: Eine der drei Personen, die Gott „bilden“, nämlich Gott der Sohn, kam in Gestalt eines Babys aus Fleisch und Blut in diese Welt. Und dennoch blieb er derselbe Sohn, der er zuvor im Himmel gewesen war – nun jedoch in menschlicher Gestalt.

Jesus selbst lässt keinen Zweifel daran, wer er ist. Er beschreibt seine Beziehung zum himmlischen Vater als einzigartig – eine Beziehung, die niemand sonst besitzt. Er spricht davon, dem Vater an Kraft und Weisheit gleich zu sein und dieselbe Anbetung zu verdienen. Damit steht die christliche Lehre von der Menschwerdung Gottes auf einem festen biblischen Fundament und unterscheidet sich deutlich von jeder allgemeinen Vorstellung einer bloßen göttlichen „Vaterschaft“.

Was bedeutet es für uns, dass Gott Mensch wurde?

Zunächst offenbart uns die Menschwerdung Gottes etwas Grundlegendes über sein Wesen: Gott besteht aus mehr als einer Person und ist doch zugleich „einer“. Schon zu Beginn der Bibel stellt Gott sich in der Mehrzahl vor (1. Mose 1,26). Auch die Aussagen Jesu und viele Texte des Neuen Testaments bezeugen eindeutig einen Gott, der sich als Vater, Sohn und Heiliger Geist offenbart.

Diese Wahrheit ist tiefgreifender, als sie auf den ersten Blick erscheint. Wäre Gott nur eine einzelne Person, stünden wir vor einem ernsthaften Problem. Die Aussage „Gott ist Liebe“ (1. Joh. 4,16) hätte dann keine Grundlage. Liebe setzt Beziehung voraus – und diese existiert von Ewigkeit her zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist.

Weil Liebe die treibende Kraft dieser Beziehung ist, ehrt der Sohn den Vater, der Vater ehrt den Sohn, der Heilige Geist ehrt beide – und umgekehrt. Gott selbst setzt damit den Maßstab für wahre Liebe: den anderen zu ehren und höher zu achten als sich selbst. Ohne Gott wüssten wir nicht, was Liebe wirklich ist.

Jesus zeigt uns, was wahres Menschsein bedeutet

Ein weiterer zentraler Aspekt der Menschwerdung Gottes ist dieser: Gott lebt uns selbst vor, wie vollkommenes Menschsein aussieht. Jesus Christus führte ein Leben in Freiheit und Erfüllung, weil er es in völliger Hingabe an den guten Willen des himmlischen Vaters lebte.

In unserer heutigen Gesellschaft klingt der Gedanke, dass wahre Freiheit in Hingabe liegen soll, beinahe absurd. Doch genau das lebte Jesus vor. Er war Gott und Mensch in einer Person.

Bemerkenswert ist, dass das Neue Testament diese Wahrheit nicht erklärt oder philosophisch ausführt. Sie wird schlicht als göttliche Realität mitgeteilt: Jesus Christus war hundertprozentig Mensch und gleichzeitig hundertprozentig Gott. Dieses Geheimnis dürfen wir im Glauben annehmen – oder ablehnen. Die Bibel lässt jedenfalls keinen Zweifel daran.

Musste Gott Mensch werden, um uns zu verstehen?

Gott wusste zu jeder Zeit, wie Menschen denken und was sie bewegt. Er musste nicht erst Mensch werden, um zu lernen, was es heißt zu leiden oder versucht zu werden. Doch durch die Menschwerdung können wir sicher sein: Gott versteht uns wirklich.

Jesus hat menschliches Leid auf unserer Ebene erfahren. Er kennt Schwäche, Versuchung, Schmerz und Verlassenheit – nicht aus der Distanz, sondern aus eigener Erfahrung.

Die Erniedrigung Gottes – aus Liebe zu uns

Im Philipperbrief (Kapitel 2) lesen wir, dass Jesus Christus göttliche Gestalt hatte und Gott in Wesen und Natur gleich war. Doch er klammerte sich nicht an seine Herrlichkeit, sondern ließ sie los. Der Schöpfer und Herr des Universums demütigte sich, wurde Mensch und kam uns ganz nahe.

Seine größte Freude war es, den Willen des Vaters zu tun – besonders dort, wo es um unsere Erlösung ging. Jesus selbst sagte:

„Der Sohn ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele zu geben.“

Der Tod am Kreuz war der tiefste Punkt von Schmach und Erniedrigung, den die damalige Kultur kannte. Und doch wurde gerade dieses Kreuz zum Mittelpunkt der Erlösung. Gott stieg in Jesus Christus so tief zu uns herab, um uns zu befreien.

Warum musste Jesus ans Kreuz?

Viele fragen sich: Hätte Gott uns nicht auch ohne Kreuz erlösen können? Die Bibel lässt daran keinen Zweifel – es war der einzige Weg.

Gott offenbart sich durch die gesamte Bibel hindurch als heilig und vollkommen gerecht. Gerechtigkeit duldet kein Unrecht. Schuld verlangt nach Wiedergutmachung. Im Römerbrief lesen wir:

„Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle in den Tod gegeben.“

Diese Worte zeigen uns die Tiefe der Liebe Gottes. Alles andere wäre nicht genug gewesen. Das größte Geschenk machte Gott uns, indem sein Sohn unsere Schuld auf sich nahm.

Der letzte Adam

Gottes Plan war, dass der Erlöser unter denselben Bedingungen leben musste wie wir Menschen. Wo der erste Mensch Adam versagt hatte, sollte Jesus – der „letzte Adam“ – gehorsam sein. Nur ein schuldloser, vollkommener Mensch konnte stellvertretend für andere Menschen sühnen.

Jesus Christus lebte ohne Sünde. Deshalb konnte er durch seine Hingabe am Kreuz die Grundlage für Vergebung und neues Leben schaffen. Ohne dieses Opfer wären wir verloren.

Doch das Kreuz ist mehr als der Ort der Vergebung. Es ist das Eingangstor in eine lebendige Gemeinschaft mit Gott – für jeden, der Jesus als Erlöser vertraut.

Neues Leben durch Christus

Wer diese Gemeinschaft betritt, wird innerlich erneuert. Die Bibel spricht von einem „neuen Herzen“. Der Heilige Geist wird zur treibenden Kraft. Der Wunsch, Gott zu lieben, zu ehren und ihm zu dienen, wächst – ein Prozess, der mit der Umkehr beginnt und erst bei der Wiederkunft Jesu vollendet wird.

Die Sünde bleibt dennoch eine Realität. Sie kämpft um das menschliche Herz. Darum brauchen auch Christen täglich Vergebung. Jesu Bitte im Vaterunser bleibt aktuell:

„Und vergib uns unsere Schuld …“

Christsein im Alltag

Christsein zeigt sich praktisch im Leben. Die Eigenschaften Jesu sollen Christen prägen. Paulus nennt sie die „Frucht des Geistes“ (Galater 5,22): Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.

Der Heilige Geist wirkt in uns, aber er fordert auch unsere Mitarbeit. Gebet, Bibellesen und Selbstprüfung helfen, den Charakter Jesu in uns zu formen. Der Geist Gottes weist uns immer wieder auf Christus hin und prüft unser Handeln anhand des Wortes Gottes.

Warum Weihnachten?

Für manche ist Weihnachten ein Fest der Freude, für andere eine schwere Zeit voller Einsamkeit. Für Christen ist Weihnachten vor allem eines: die Erinnerung daran, dass Gott Mensch wurde.

Alle Menschen haben gesündigt. Darum kam Jesus in diese Welt. Nicht seine Geburt rettet uns – sondern sein Tod am Kreuz. „Den, der von keiner Sünde wusste, hat Gott für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit Gottes würden.“

Aus Liebe vergibt Gott jedem, der Jesus als Retter annimmt und seine Schuld bekennt.
„Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“

Das ist die großartige Botschaft von Weihnachten: Durch Jesus ist eine lebendige Beziehung zu Gott möglich geworden. Gott liebt dich – und er will nicht, dass du verloren gehst.

Helmut Germann
28.12.2025