Dankbarkeit und Demut

Anhand des Philipperbriefs zeigt Paulus, wie wahre Dankbarkeit auch in schwierigen Zeiten gelebt werden kann. Was bedeutet es, eine dankbare Haltung zu entwickeln und wie können wir sie in unserem Alltag umsetzen? Schauen wir, warum Dankbarkeit nicht nur eine höfliche Geste, sondern ein Schlüssel zu geistlichem Wachstum und echter Gemeinschaft ist!

In der heutigen Gesellschaft und auch in christlichen Gemeinden ist das „Danke“-Sagen oft vernachlässigt worden. Dabei sollte Dankbarkeit eine grundlegende Haltung sein, die unser tägliches Leben prägt. Die Bibel erwähnt Dankbarkeit etwa 300-mal. Paulus hebt in seinem Brief an die Gemeinde in Philippi hervor, dass er sich ausdrücklich für ihre Unterstützung – finanziell, im Gebet und durch den gesandten Mitarbeiter   bedanken möchte. Er zeigt, dass Dankbarkeit nicht nur eine höfliche Geste, sondern eine geistliche Haltung ist.

Paulus schreibt den Philipperbrief aus dem Gefängnis. Trotz dieser schwierigen Lage verliert er nicht seinen Glauben oder seine Dankbarkeit. Statt zu klagen, lobt er die Gemeinde für ihre Standhaftigkeit im Glauben und zeigt, dass wahre Dankbarkeit unabhängig von äußeren Umständen sein kann. Paulus beschreibt die Gemeinde als eine Einheit, die nicht nur das Evangelium weiterträgt, sondern auch aktiv danach lebt. Die Gemeinschaft am Evangelium bedeutet, dass Christen ihre Werte und Überzeugungen nicht nur theoretisch kennen, sondern praktisch anwenden, indem sie Liebe, Mitgefühl und Vergebung leben.

Ein zentrales Thema des Briefes ist die christliche Liebe. Paulus fordert die Gläubigen auf, Demut zu üben und andere höher zu schätzen als sich selbst. Er verweist auf Jesus, der trotz seiner göttlichen Natur Mensch wurde und sich selbst erniedrigte. Diese Haltung sollte das Vorbild für jeden Christen sein.

„Dankbarkeit in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus „ (1. Thessalonicher 5,18)

Sind wir ehrlich dankbar für unsere Mitmenschen? Wie oft sagen wir bewusst „Danke“? Wir sind auch aufgefordert, nicht nur für enge Freunde zu danken, sondern ebenso für Menschen, mit denen wir Schwierigkeiten haben. Obwohl Paulus mit schwierigen Situationen konfrontiert ist, bleibt er zuversichtlich. Er sieht in seinem Leiden keinen Grund zur Resignation, sondern einen Beweis dafür, dass Gott am Werk ist. Diese Haltung zeigt, dass Dankbarkeit auch in schweren Zeiten eine Quelle der Kraft sein kann.

Paulus war einst ein Verfolger der Christen, wurde jedoch durch Jesus radikal verändert. Seine Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie Gott Menschen verwandeln kann. Diese Transformation zeigt, dass Dankbarkeit nicht nur eine natürliche Reaktion ist, sondern ein Ausdruck eines erneuerten Herzens. Paulus betont, dass Christen kontinuierlich in der Liebe wachsen sollen. Das bedeutet, sich aktiv für andere einzusetzen, die eigenen Interessen zurückzustellen und bereit zu sein, aus der eigenen Komfortzone herauszutreten. Dies erfordert, Mut und die Bereitschaft, sich auf Gottes Führung einzulassen.

Dankbarkeit ist nicht nur ein Gefühl, sondern eine bewusste Entscheidung und ein Ausdruck des Glaubens. Wer denkt der dankt, danken kommt von denken. Das sehen wir in den Versen 3-5: „Ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke. Immer wenn ich für euch alle bete, tu ich das mit Freuden und danke Gott dafür, dass ihr vom ersten Tag an bis heute mit dem Evangelium verbunden seid.“

„Alle, aber miteinander haltet fest an der Demut; Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.“ (1. Petrus 5, 5-6)

Bei vielen hat das Wort „Demut" einen negativen Beiklang. Oft wird Demut als Unterwürfigkeit, Selbstaufgabe, Gehorsam etc.  verstanden. Dem Menschen, der etwas sein und darstellen möchte, widerstrebt es zutiefst ein demütiger Knecht zu sein. Demut bedeutet jedoch Mut zum Dienen zu haben. In der Bibel werden Minister und Obere eines Königs als Knecht bezeichnet. Demnach ist der Knecht ein im Dienst Stehender, ein Diener. Der Preußenkönig Friedrich II konnte sich deshalb als der erste Diener seines Staates bezeichnen. Zu dienen, ein Diener zu sein, ist also nichts Ehrenrühriges - ganz im Gegenteil.

Aber selbst dann behält "Diener" und "dienen" für viele, die doch lieber "Herren einer Sache" oder "König Kunde" sein wollen, einen negativen Beigeschmack. Aber das eine schließt das andere ja nicht aus. Martin Luther schrieb dazu: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ (Denn er ist von Christus frei gemacht und dient deshalb freiwillig und aus Überzeugung.) Demut wurde im Alten Testament sehr hoch eingeschätzt und wird mit Weisheit in Verbindung gebracht.

 „Der Lohn der Demut ist Reichtum und Ehre und Leben“ (Sprüche 22, 4).

Mose wird als ein sehr demütiger Mensch beschrieben und Jesus sagt von sich, dass er von Herzen demütig ist. Jesus hat nie die eigene Ehre gesucht, sondern war gehorsam bis ans Kreuz und hat uns damit gedient. Gott selbst hat IHN deshalb erhöht und IHM alle Macht im Himmel und auf Erden und das Weltgericht übergeben. Der Demütige sieht sich, im Gegensatz zum Hochmütigen, nicht im Vordergrund, sondern hat einen klaren und sachlichen Blick für die Wirklichkeit, erkennt Grenzen und das, was wirklich zählt.

Während der unsachliche, ichbezogene Mensch zwangsläufig in die Irre gehen muss, weil er auf Vergängliches setzt und sich dabei überschätzt, ist das beim Demütigen, der sich unter die Hand des Ewigen beugt, gerade andersherum. „Denn wer auf sein Fleisch sät, der wird vom Fleisch Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird vom Geist ewiges Leben ernten.“ (Galater 6, 8). Deshalb tun wir uns selbst den größten Dienst, wenn wir unser Ich zurücknehmen, zum Dienst bereit sind, wie unser Herr Jesus Christus zum vorbehaltlosen Dienen bereit war und allezeit Dank sagen für alles.

„Sagt allezeit Gott, dem Vater, Dank für alles, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus;“ (Eph. 5,20).

Helmut Germann
02.03.2025